
Ich habe das Buch geholt, weil es als Fortsetzung von H. G. Wells’ „Die Zeitmaschine“ angekündigt wird. Ich hatte mir deshalb ausgemalt, dass die Geschichte des Zeitreisenden und Weena weitergeht. Falsch gedacht. Baxter macht daraus eine ziemlich wilde Reise durch Zeit, Multiversen und mögliche Zukünfte der Menschheit.
Die Geschichte beginnt dort, wo Wells aufgehört hat. Der Zeitreisende steigt erneut in seine Maschine, weil er ins Jahr 802.701 zurückkehren will. Doch schon bei seiner Ankunft stimmt etwas nicht. Die Zukunft, die er von seiner ersten Reise kennt, existiert so nicht mehr.Statt der Eloi trifft er auf eine hochentwickelte Zivilisation der Morlocks. Sie haben die Erde vollkommen umgestaltet und eine gigantische Sphäre um die Sonne errichtet. Dort begegnet er Nebogipfel, einem Morlock und Wissenschaftler, der zu seinem Begleiter wird.
Damit zerlegt Baxter die ursprüngliche Vorstellung der Zeitmaschine. Der Zeitreisende ist bisher davon ausgegangen, dass Vergangenheit und Zukunft eine feste Linie bilden, auf der er einfach vorwärts und rückwärts fahren kann. Doch seine erste Zeitreise hat bereits Folgen gehabt. Jede Veränderung kann andere Entwicklungen hervorbringen und damit neue Zeitlinien entstehen lassen. Aus einer Zeitreisegeschichte wird zunehmend eine Geschichte über Multiversen.
Von diesem Punkt an wird das Buch immer größer. Der Zeitreisende und Nebogipfel geraten in völlig unterschiedliche Versionen der menschlichen Zukunft und Vergangenheit. Baxter beschäftigt sich mit Transhumanismus und der Frage, wie weit sich Menschen durch Technologie verändern können, bis von dem, was wir heute als Mensch bezeichnen, kaum noch etwas übrig ist. Er entwirft künstlich geschaffene Lebensräume, veränderte Menschen, neue Gesellschaften und Technologien, die ganze Welten umgestalten können.
Dabei bleiben die Reisen längst nicht auf ein paar Tausend oder Millionen Jahre beschränkt. Baxter treibt seine Figuren durch gewaltige Zeiträume und schließlich bis an den Anfang des Universums zurück. Aus der Frage, was nach H. G. Wells’ „Die Zeitmaschine“ passiert sein könnte, wird damit eine Geschichte über Zeit selbst, über alternative Wirklichkeiten und darüber, ob es überhaupt so etwas wie die eine Vergangenheit oder die eine Zukunft gibt.
Für Stephen Baxter fand ich „Zeitschiffe“ ungewöhnlich kurzweilig. Natürlich gibt es jede Menge wissenschaftliche und technische Ideen, aber dieses Mal klingt das Buch ausnahmsweise nicht wie ein Berichtsheft. Gerade die ständig neuen Zukunftsbilder und die immer verrückter werdenden Konsequenzen der Zeitreisen haben mir gefallen. Wer sich nach H. G. Wells’ „Die Zeitmaschine“ gefragt hat, wie diese Geschichte weitergehen könnte, bekommt hier eine sehr viel größere Antwort, als der Titel zunächst vermuten lässt.





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